Face

2020 Ausgabe 1

Speziallösungen

Titelthema

Umweltrisiken – Neue Gefahren- und Haftungspotenziale

Das Bewusstsein für den Schutz von Umwelt und Klima ist innerhalb der vergangenen Jahre deutlich gestiegen. Entsprechend negativ fällt daher auch immer die Reaktion der Öffentlichkeit aus, wenn sich beispielsweise durch Brände, Explosionen oder Tankerhavarien Umweltkatastrophen ereignen. Schließlich verursachen jene Vorfälle Schäden, die für die Natur – und damit nicht selten auch für den Mensch – oftmals sowohl gravierend als auch langfristig sind. Ereignisse infolge von Umweltrisiken können für Unternehmen daher neben finanziellen Einbußen, etwa durch Betriebsunterbrechungen oder auch Strafzahlungen, insbesondere ernstzunehmende Imageschäden zur Folge haben. Gerade dies kann jedoch zur erheblichen Gefährdung werden, ist doch der gute Ruf für die meisten Unternehmen ein ganz wesentlicher Aspekt ihrer Geschäftstätigkeit.

Es kann jeden treffen


Viele gehen noch immer fälschlicherweise davon aus, dass Umweltrisiken nur die klassische, verschmutzende Industrie, wie etwa die Chemie-und Schwerindustrie, betreffen. Zwar ist es tatsächlich so, dass es gerade in diesen Bereichen verstärkt zu Umweltschäden kommt, doch bedingt durch mehr als 17.000 unterschiedliche Regularien hinsichtlich der Verschmutzung beziehungsweise Kontamination von Luft, Wasser und Boden sind heute Firmen der unterschiedlichsten Branchen mit der komplexen Risikoart konfrontiert. Dies gilt beispielsweise sowohl für Unternehmen, die Immobilien besitzen, betreiben beziehungsweise kaufen und verkaufen, als auch für Firmen, die in einem biologisch vielfältigen Umfeld agieren, etwa in der Nähe eines Naturschutzgebiets, oder auch für jene, die Industriebranchen sanieren. Risikopotenziale können sich zudem für Unternehmen ergeben, die potenziell gefährliche Substanzen verwenden, lagern, transportieren oder produzieren, die Verunreinigungen verursachen können. Die Bandbreite der Firmen, die Umweltrisiken ausgesetzt sind, ist also groß.

Vieles ist möglich


Allein ein Blick auf das vergangene Jahr reicht aus, um deutlich zu machen, in welcher Vielfalt und gerade auch in welcher Vielzahl Umweltrisiken in der Praxis auftreten können. In 2019 verzeichnete die weltweite Versicherungswirtschaft unzählige, teils spektakuläre Umweltschäden – rund um den Globus und mit den unterschiedlichsten kurz- und langfristigen Folgen, wie die folgenden Beispiele zeigen:

China, März 2019
Eine Explosion in einer Chemiefabrik fordert 64 Tote sowie 90 Schwerstverletzte und verursacht massive Schäden an Gebäuden. Das Ereignis zählt zu den schwersten Industrieunglücken Chinas, wurde in Deutschland jedoch nicht nachhaltig zur Kenntnis genommen.

Frankreich, April 2019
Der Großbrand in der Pariser Kathedrale Notre-Dame dürfte Vielen noch in Erinnerung sein. Dass bei dem Feuer mitunter auch hunderte Tonnen Blei in Form von giftigem Bleistaub freigesetzt wurden, der im Blut von Kindern nachgewiesen wurde und mutmaßlich zu neurologischen Schäden und Nierenproblemen führt, blieb von der Öffentlichkeit jedoch weitgehend unbemerkt. Auch gehen die Sanierungskosten für die umgebenden Grundstücke in die Millionen. Umweltschäden in der benachbarten Seine durch kontaminiertes Löschwasser sind auch ein Jahr später noch nicht bewertbar.

USA, Juni 2019
Durch einen Brand und mehrere Explosionen in der größten Raffinerie an der US-Ostküste wurden Trümmer in die Luft geschleudert und sind dann in der Nähe der Anlage auf die Straßen „hinabgeregnet“. Auf dem Gelände der Raffinerie wurden vier Arbeiter leicht verletzt. Darüber hinaus verursachte die Explosion massive Schäden an den benachbarten Grundstücken und Gebäuden.

USA, Juli 2019
Ein Blitzeinschlag führte zu einem Großbrand in einer Lagerhalle eines Whiskey Herstellers. 45.000 Whiskeyfässer gingen in Flammen auf, kontaminiertes Löschwasser floss in den nahegelegenen Fluss und reduzierte den Sauerstoffgehalt im Wasser. Die Folgen davon: ein fatales Fischsterben und weitere Schäden an der Artenvielfalt (Biodiversität).

China, Juli 2019
Eine Explosion in einer Gasanlage auf dem Grundstück eines Kohleunternehmens ließ im Umkreis von drei Kilometern Fenster zerbersten und richtete viele weitere Schäden an. Dabei kamen 15 Menschen ums Leben und 19 wurden schwer verletzt.

Frankreich, September 2019
Bei einem Großbrand einer Fabrik gingen mehr als 5.200 Tonnen Chemikalien in Flammen auf. Der Brand griff auf die Lagerhallen eines benachbarten Logistikunternehmens über, in dem tausende zusätzliche Tonnen chemischer Produkte verbrannt sind. Die Beseitigung der Kontaminationen der benachbarten Grundstücke dürfte Kosten in Millionenhöhe verursachen. Rund 1.800 Bauern, über deren Äckern die Rauchfahren hinweggezogen war, wurde der Verkauf ihrer Produkte untersagt. Bis heute ist zudem noch unbekannt, wie viel giftige Substanzen in die Seine, die an der Fabrik vorbeiführt, gelaufen sind.

Falsche Annahmen


All jene Schäden des letzten Jahres zeigen, wie groß das Gefahren- und Haftungspotenzial von Umweltrisiken tatsächlich ist beziehungsweise sein kann. Die Risikoart ist nicht zu unterschätzen, doch deren Handhabung gestaltet sich häufig (noch) problematisch: Unternehmen nehmen fälschlicherweise oftmals an, durch ihre allgemeine Haftpflichtversicherung gegen Umweltrisiken abgesichert zu sein – das ist allerdings weit gefehlt. Denn verfügen sie nicht über eine spezifische Umweltdeckung, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie im Schadensfall auf keinen beziehungsweise keinen adäquaten Versicherungsschutz zurückgreifen können und dadurch für die teils immensen Kosten aufkommen müssen, die auf sie im Ernstfall zukommen können. Insbesondere bei internationalen Unternehmen wird zudem die Analyse von Umweltrisiken vielfach noch vernachlässigt, auch hier bieten entsprechende Haftpflichtprogramme dann keinen vollumfassenden Versicherungsschutz. Gefragt – und benötigt – ist vielmehr eine spezifische Lösung, ein multinationales Programm speziell für Umweltrisiken, damit sowohl die unterschiedlichen Gesetzeslagen in den verschiedensten Ländern weltweit als auch die eingeschränkten Haftpflicht-Deckungskonzepte für ausländische Standorte eines Versicherungsnehmers berücksichtigt werden können. Umweltprogramme sind dabei auch ergänzend zu bereits bestehenden Betriebs und Produkthaftpflichtlösungen möglich, so dass keine Notwendigkeit zur Umdeckung besteht. Denn wichtig ist doch schließlich vor allem eines: dass potenzielle Deckungslücken vermieden oder aber noch rechtzeitig und weitgehend geschlossen werden können – und zwar bevor ein Schaden weitreichende Folgen haben kann.

UmweltPlus vs. UHV-USV


Übersicht der Unterschiede zwischen marktüblicher UHV/USV-Deckungen und dem Produkt UmweltPlus der Chubb:

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Stefan Warnecke
stefan.warnecke@chubb.com

Über den Autor

Stefan Warnecke ist Practice Leader Environmental Risks bei Chubb in Düsseldorf. Der Diplom-Kaufmann (FH) ist seit 2006 bei Chubb und zeichnete zunächst von der Zentrale in Frankfurt aus sowohl klassische Haftpflichtdeckungen wie auch früh schon Umweltlösungen. 2008 kehrte er wieder in seine Heimatregion Köln zurück und wurde 2017 schließlich zum Practice Leader für Umweltrisiken.

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