Face

2019 Ausgabe 3

Industrieforum 2019

Titelthema

Drei Fragen an ...

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Mit einem Blick auf den spektakulären Kunstdiebstahl am 25. November 2019 in Dresden sind Kunst- und Wertsachenversicherungen verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Inzwischen besteht eine gesteigerte Nachfrage nach einer Absicherung, was nicht zuletzt durch die substantiellen Wertentwicklungen von Kunstwerken, historischen Automobilen, Edelmetallen oder anderer Luxusgüter bedingt ist. Die internationalen Kunstmärkte erzielten im Jahr 2018 einen Gesamtumsatz von 67,3 Milliarden US-Dollar, so der „The Art Market 2019. An Art Basel & UBS Report“. Das Geschäft mit der Kunst bleibt also stabil und es werden weiterhin unglaubliche Millionen-Summen für Spitzenwerke ausgegeben: Allein die aktuell zehn teuersten, bei Auktionen versteigerten Werke erreichen ein Gesamtvolumen von rund 1,75 Milliarden US Dollar (erlöster Preis inklusive Commission). Vor diesem Hintergrund könnte es gar nicht passender sein, dass Chubb seit Juni 2019 Kunst- und Wertsachenversicherungen nun auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz anbietet und damit dem wachsenden Deckungsbedarf auch im deutschsprachigen Raum nachkommt. Um einen Einblick in die neue Monoline zu erhalten, steht Dr. Thomas Steinruck, Fine Art & Specie Manager für Deutschland, Österreich und Schweiz bei Chubb in Zürich, Rede und Antwort.

Für wen kommen die Spezialversicherungen in Frage und was genau decken diese?


Unsere Zielgruppe bei den Kunstversicherungen (Fine Art) umfasst Kunstsammler und Museen, Galerien, Kunsthändler, Auktionshäuser und andere Geschäftsbereiche innerhalb der Kunstwelt sowie bei den Wertsachenversicherungen private Uhren- und Juwelensammler, aber auch Juweliere, Schmuck- und Uhrenhersteller, Finanzinstitute, edelmetallveredelnde Betriebe und Bergbauunternehmen (Jewellers Block/General Specie). Geht es um die Versicherbarkeit von Kunst- und Wertgegenständen, ist die Sicherheit eines Ortes oder eines Wertschutzschrankes beziehungsweise -raums, an oder in dem Kunst oder Wertsachen verwahrt oder ausgestellt werden, natürlich auch immer eine wichtige, versicherungsrelevante Voraussetzung. Hierbei stehen insbesondere Schutzmaßnahmen für die unwiederbringlichen Kunstwerke und Kulturgüter im Vordergrund, schließlich sind die versicherten Objekte im Leihverkehr zum Beispiel durch Transporte („von Nagel zu Nagel“ beziehungsweise „von Standort zu Standort“), Verpackungs- und Hängevorgänge oder durch klimatische Veränderungen erhöhten Gefahren und Risiken ausgesetzt. Gleichfalls sind auch Konservierungs-, also erhaltenden Maßnahmen, von Bedeutung. Versicherungstechnisch geht es immer um die Absicherung des stationären Aufenthaltes der Objekte, bei Institutionen zusätzlich um die Versicherung von Dauerleihnahmen und -gaben, Transporten, Aufenthalten bei Dritten, wie beispielweise Restauratoren, Fotografen, Rahmenmachern, und des internationalen Leihverkehrs.

Weshalb macht eine spezielle Absicherung für Kunst und Wertsachen Sinn?


Während zum Beispiel eine klassische Hausratversicherung ausschließlich gegen die in der Police einzelnen „benannten“ Gefahren wie Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel, Einbruchdiebstahl und Vandalismus nach Einbruchdiebstahl Versicherungsschutz bietet, geht eine Kunst- oder Wertsachenversicherung deutlich über diesen Deckungsumfang hinaus. Wir sprechen dabei von einer Allgefahrendeckung (All-Risks-Versicherung), das heißt alles ist versichert, was nicht ausdrücklich bei den wenigen, einzeln und abschließend aufgezählten Ausschlüssen im Versicherungsvertrag aufgezählt ist. Hinzu kommt, dass mit vereinbarten Werten für die Kunst- und Kulturgüter oder Wertsachen gearbeitet wird. So weiss man schon vor dem Eintritt, welcher Betrag maximal im Schadenfall finanziell kompensiert wird. Gerade da Kunst und Wertsachen schon seit einigen Jahren immer stärker auch als alternative Assets zur Portfoliodiversifizierung eingebunden werden, ist das natürlich ein wichtiger Faktor.

Wie sieht es derzeit am Kunstversicherungsmarkt aus?


Der Kunstversicherungsmarkt, der hochspezialisiert und durch Vertrauen, Diskretion und besondere Expertise geprägt ist, ist immer noch recht überschaubar. Das heißt: Es gibt nur einige wenige ernstzunehmenden und durch tiefgehende Expertise ausgezeichnete Versicherer und Makler. Die Versicherung wertvoller Gegenstände hat bei Chubb in vielen Ländern weltweit und im Londoner Lloyd’s Markt durch das eigene Syndikat schon lange Tradition, und seit fast einem halben Jahr wird die spezialisierte Produktpalette der Kunst- und Wertsachenversicherungen (Fine Art & Specie) auch lokal im deutschsprachigen Raum angeboten. Bei den Speziallösungen geht es aber um mehr als die reine Absicherung wertvoller Werke. Als Versicherer stehen wir unseren Kunden auch beratend zur Seite, zum Beispiel wenn es um konservatorische Maßnahmen, Restaurierungen, Rahmungen, Verpackung, die Wahl des Spediteurs oder geeignete Transportmittels geht, oder können hier jeweils passende Ansprechpartner vermitteln. Ähnliches gilt bei der Einschätzung und Umsetzung von leihvertraglichen (versicherungstechnischen) Fragen und Anforderungen bei Registraren von Einrichtungen. Nicht zuletzt sind wir auch im Fall eines Schadens nah am Kunden, denn gerade bei so heiklen Objekten wie Kunst und Kulturgütern oder Wertsachen ist ein besonderes Know-how vonnöten, da es bei Schäden an diesen Objekten oftmals nicht nur um die Frage der bestmöglichen Restaurierung, sondern auch um eine eventuell verbleibende Wertminderung geht.

Über Thomas Steinruck

Thomas Steinruck ist Fine Art & Specie Manager für die Länder Deutschland, Österreich und die Schweiz. Er studierte Europäische Kunstgeschichte, Musikwissenschaften und Rechtswissenschaften in Heidelberg sowie Mannheim und promovierte über Business Artists und ihre Branding-Strategien. Nach Stationen im Museumsmarketing und der zeitgenössischen Galerieszene ist er seit 2009 im Versicherungswesen mit dem Spezialgebiet Kunst tätig, seit September 2019 ist er bei Chubb in Zürich.

O +41 43 456 7536
M +41 76 434 7780
thomas.steinruck@chubb.com

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