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2019 Ausgabe 2

Cyber

Titelthema

Cyber InsurTechs – Konkurrenz oder Unterstützung?

Seit einigen Jahren hat die InsurTech-Szene in Deutschland massiv an Bedeutung gewonnen und spielt in der Versicherungsbranche eine immer wichtigere Rolle in der Innovationsfindung. Auch bei Cyberversicherungen und verwandten Dienstleistungen haben sich einige InsurTechs mittlerweile etabliert. Doch was genau sind InsurTechs eigentlich und was können diese bieten beziehungsweise leisten, insbesondere im Bereich Cyber?

Neue Ansätze

Der Begriff InsurTech setzt sich zusammen aus Insur(ance) und Tech(nology), also aus ‚Versicherung‘ und ‚Technologie‘. Gemeint sind hiermit meist Start-Up-Unternehmen, die mit Hilfe von (neuen) Technologien die Versicherungsbranche innovieren möchten. Dazu verfolgen sie recht unterschiedliche Ansätze: Manche InsurTechs agieren etwa als Vermittler und versuchen mit neuen Ansätzen, wie zum Beispiel mit einer sogenannten Peer-to-Peer-Versicherung, zu punkten. Hierbei wird die Versicherung gemeinschaftlich durch eine Gruppe von Personen (meist Freunde oder Bekannte) abgeschlossen, die beim Eintritt von Bagatellschäden schließlich füreinander aufkommen. Oder sie bieten mittels situativer Versicherungen eine kurzfristige Absicherung lediglich für einen bestimmten Zweck an oder aber fokussieren sich auf das Versicherungsvertragsmanagement. Andere Unternehmen der Szene agieren hingegen sogar als Versicherer, beispielweise im Bereich der privaten Krankenversicherungen oder im Hinblick auf Hausrat- und Privathaftpflichtversicherungen. Zudem gibt es auch InsurTechs, sogenannte „Enabler“, die die traditionellen Versicherer bei der Digitalisierung unterstützen.

Große Vielfalt am Markt

Der deutsche Markt zählt aktuell schon zahlreiche InsurTechs, die sich im Bereich Cyber spezialisiert haben. Die Angebotsbandbreite ist groß und umfasst mitunter Folgendes:

  • Sicherheitsberatung und -dienstleistungen speziell für kleine und mittelständische Unternehmen: Präventive Maßnahmen wie Mitarbeiterschulungen, Softwarelösungen und Sicherheitsübersichte sowie Unterstützung bei Sicherheitsproblemen, inklusive Notfallhilfe und Cyberversicherung.
  • Vergleichsportale für gewerbliche Cyberversicherungen in Zusammenarbeit mit klassischen Versicherern, sowie Unterstützung bei Mitarbeiterschulungen, Phishing-Tests und Web Security Checks.
  • Risikobewertungen für Versicherer: Vollautomatisierte Lösungen zur Erkennung, Bewertung und Preisgestaltung von Risiken.
  • Versicherungen für gewerbliche Kunden: Neben Cyberversicherungslösungen werden auch Beratungsleistungen angeboten, um die Cybersicherheit im Unternehmen zu erhöhen.
  • Sicherheitslösungen für Privatkunden: Schutz vor Identitätsdiebstahl und Datenmissbrauch, darunter Überprüfung des Dark Webs auf persönliche Daten, durchgängiges Monitoring und Unterstützung im Schadenfall mittels einer Versicherungskomponente.
  • Tools zur Ermittlung von Versicherungssummen für Vermittler.

Gut aufgestellt

InsurTechs, die sich Themen im Bereich Cyber widmen, gibt es natürlich nicht nur auf bundesweiter Ebene, sondern rund um den Globus. Viele Lösungen wurden – nebst Deutschland – in den Vereinigten Staaten sowie in Israel und dem Vereinigten Königreich entwickelt. Grundsätzlich lassen sich all jene neuen Cyberinitiativen dabei anhand von zwei Kategorien unterscheiden: der Kundengruppe (Privat- oder gewerbliche Kunden) und nach ihrem Ansatz (Dienstleistung beziehungsweise Vertrieb). Die Cyber InsurTech-Szene ist sehr divers und gerade im Bereich gewerbliche Kunden gibt es schon eine umfangreiche Bandbreite. Dabei handelt es sich einerseits um Makler, die Cyberversicherungen anbieten, und andererseits um Unternehmen, deren Angebot Cybersicherheitsdienstleistungen umfasst. Letztere Gruppe lässt sich noch weiter unterteilen: Hier gibt es zum einen jene Lösungen, die speziell für Versicherer entwickelt wurden und bei der Risikoeinschätzung helfen sollen. Die größte Gruppe umfasst aber Dienstleistungen, die von Versicherern genutzt werden können, um die Cybersicherheit bei Kunden zu erhöhen.

Vieles ist möglich

Während das Gewerbekundengeschäft schon recht gut und vielfältig aufgestellt ist, existieren im Privatkundenbereich hingegen noch deutlich weniger Lösungen. Doch auch hier besteht großes Potenzial – sowohl im Hinblick auf die Entwicklung neuer als auch was die Ergänzung bereits bestehender Produkte betrifft. Aktuell bieten nur vereinzelte InsurTechs Cyberversicherungen an beziehungsweise unterstützen Privatkunden bei der Verbesserung ihrer Datensicherheit. Diese Produktangebote könnten wiederum auch für Versicherer sehr interessant sein, besteht hier schließlich die Möglichkeit, sie in bestehenden Produkten wie etwa Hausrat- und Handyversicherungen zu integrieren. Künftig werden nicht zuletzt auch neue Anwendungen im Bereich des Internets der Dinge sicherlich noch einige Veränderungen und neue Chancen mit sich bringen, zum Beispiel im Bereich Connected beziehungsweise Smart Homes. Die damit verbundenen Sicherheitsrisiken werden innovative Versicherungslösungen erfordern und bieten vielleicht demnächst auch Neo-Versicherern eine Möglichkeit, im Cyberversicherungsmarkt einzusteigen. Spannende Zeiten sind zu erwarten – auch für die etablierten Versicherer, da für sie ebenfalls gilt: mit der Zeit gehen, innovativ sein und bleiben.

Simon Carpels

simon.carpels@chubb.com

Über den Autor

Simon Carpels ist Associate Underwriter Cyber & Financial Lines. Als Quereinsteiger begann er 2013 seine Karriere in der Versicherungsbranche in Brüssel. 2014 wechselte er nach Hamburg und übernahm in unterschiedlichen Positionen Verantwortungen im Bereich Digitalisierung und Datenanalyse. Seit Juli 2019 ist Simon Carpels bei Chubb in Frankfurt.

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